ZAUBERSPRÜCHE

Animationsfilm von Iby-Jolande Varga
SPELLS – short information in English

 
ZAUBERSPRÜCHE TRAILER HD ZAUBERSPRÜCHE auf DVD    

FILM
Animationsfilm von Iby-Jolande Varga
1997, 16mm, Farbe, 10'30"
Aus dem PROJEKT PARTITURFILM

CREDITS
Idee, Drehplan, Animation, Trickkamera, Schnitt: Iby-Jolande Varga
Musik, Autograph in graphischer Notation: Heinz Kratochwil
ZAUBERSPRÜCHE I II III für Chor in beliebiger Besetzung op. 78 1972
Klanggestaltung Titel, Zwischentitel, Ton: Stephen Ferguson

Die Ausführenden Musik: St. Georgs-Chor Wien Leitung: Gustav Danzinger
Die Partitur erschienen bei der Universal Edition Wien 1973 (rote reihe)
Der Autograph, seit der Drucklegung verschollen, wurde vom Komponisten eigens für diesen Film neu geschaffen
Die Farben auf Wunsch des Komponisten
Die Drehpläne vom Komponisten autorisiert

PREISE, STIPENDIEN, FÖRDERUNGEN
Theodor-Körner-Preis für Kunst und Wissenschaft (1994) für des Projekt Partiturfilm sowie das erste zu realisierende Beispiel Zaubersprüche
Filmförderung, BM:WFK (Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, 1995)

DAS PROJEKT
ZUM PROJEKT PARTITURFILM

Ein 3-teilger Partiturfilm
Produktion: I 1993 II III 1996-1997

Der Film entstand vom Konzept - fußend auf einer künstlerischen Analyse - bis ins kleinste, synchronisierte Detail zur Musik. "Heinz Kratochwil war durch Zufall der erste Komponist, dem ich eine erste Zusammenfassung der Ideen zum PROJEKT PARTITURFILM gab. Er erkannte sofort die Möglichkeiten, und wußte auch gleich, welches seiner Werke er auf diese Weise realisiert sehen wollte. Die ZAUBERSPRÜCHE erwiesen sich wegen der übersichtlichen Struktur der Partitur besonders geeignet zur Umsetzung. Für den Film entstanden eigens neue Autographen - die Originale waren offenbar schon bei der Drucklegung verschollen. Meine große Vorsicht im Hinblick auf zusätzliche Effekte war in diesem Fall unbegründet: Heinz Kratochwil wünschte es sich so effektvoll wie möglich. Nach Absprache der Farben (die er auf Anhieb nannte), begann ich mit der Umsetzung."

TECHNIKEN
TEIL I
ANIMATION
Gemalte Tricksequenzen, Kopien, Folien

Buchumschlag:
Kupferfolie, Kupferdraht, gehäkelt. Metallfarben, Glassteine, Gips, mit Sisal umwobener Draht zur Biegsamkeit für die Animation

TEIL II
ANIMATION
Mit Airbrush gemalte Tricksequenzen, Kopien, Folien

Buchumschlag:
Reliefierung aus Karton, Jute, mit Gesso grundiert, mit Metallkreiden gefärbt, Tusche, Messingdraht zur Biegsamkeit für die Animation

TEIL III
ANIMATION
Cutouts, Legetrick, mit Durchlicht. farbige Folien, Folienkopien

Buchumschlag:
Reliefierung aus Schaumkarton, Farbglassteine, Saumband, Gips, Metallfarbe, Scharniere, Schrauben und Muttern zur Biegsamkeit für die Animation
ZAUBERSPRÜCHE MAKING-OF HD ZAUBERSPRÜCHE auf DVD    

ZUM TEXT
zitiert aus dem Notenheft, erschienen in der roten reihe der universal edition
TEIL I
Dem ersten Teil liegt ein kleiner Ausschnitt aus den althochdeutschen
„Merseburger Zaubersprüchen“ zugrunde, die etwa aus dem 10. Jahrhundert stammen.

TEIL II
Im zweiten Teil werden Zaubersprüche aus Märchen verschiedener Völker miteinander verwoben.

TEIL III
Der dritte Teil bringt schließlich die „Zaubersprüche“ des 20. Jahrhunderts: Werbeslogans der Waschmittelindustrie, von deren Magie der unkritische, manipulierbare Konsument tatsächlich in den Zauberbann geschlagen wird. Durch das Verfahren der Collage und der ironischen Verfremdung wird allerdings die Substanzlosigkeit der sich in Superlativen ergehenden gehäuften Lobpreisungen entlarvt.


PROJEKT PARTITURFILM

Aktuelles zum Projekt Partiturfilm

HINTERGRUND
Ein als künstlerisches Vorhaben begonnenes Projekt, das auch im Hinblick auf die Pädagogik Perspektiven eröffnet.

Ausgangspunkt war neben äußeren Anregungen (Diaprojektionen zu Musikbeispielen bei Vorlesungen; mittelalterliche Handschriften mit Kombinationen aus Noten, Text und Bild), das Interesse am eigentlich dramatischen Spannungsfeld zwischen
  • eigener, tiefer Skepsis gegenüber Visualisierung,
  • dem natürlichen Wunsch der Musikschaffenden, in audiovisuellen Medien mit zeitgenössischer Musik präsent zu sein, und
  • der Beobachtung, daß der Musik im Film doch im allgemeinen eine untergeordnete Rolle zufällt.
UMSETZUNG
Da man im Animationsfilm die Möglichkeit hat, der Musik gestalterisch sozusagen von Moment zu Moment zu folgen, kann man versuchen, das visuelle Geschehen vollkommen der Musik unterzuordnen. Die Verwendung des Autographs gewährleistet, daß die “visuellen Zeichen”, die als Rohmaterial dienen, einen authentischen Bezug zur Musik haben. Alles, was darüber hinausgeht, hängt von den Erwartungen und der künstlerischen Großzügigkeit des Komponisten ab, ist also nur nach Absprache mit diesem zulässig.
DIDAKTISCHE UND KÜNSTLERISCHE MÖGLICHKEITEN
Die Möglichkeiten dieser Methode liegen nicht nur in der Erarbeitung rein künstlerischer Projekte. Eben durch den Aspekt des Animationsfilmes, Kader für Kader der Musik folgen zu können, kann man sich eine filmische Veranschaulichung - sowohl musikalischer Feinstrukturen, wie auch großer formaler Zusammenhänge - für den didaktischen Einsatz vorstellen.

Aber gerade das nicht didaktisch gemeinte, sondern als künstlerisch konzipierte erste realisierte Beispiel ZAUBERSPRÜCHE findet zunehmend Anerkennung als Hilfsmittel für den Unterricht. Da dadurch eine große Nachfrage nach Variationen mit Werken anderer Komponisten entsteht, geht zur Zeit das Bestreben in Richtung einer Vereinfachung der Produktion. Das erste Beispiel wurde in Handarbeit als klassischer Animationsfilm realisiert.

Texte aus 2004

Iby-Jolande Varga 2014


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